Eine hitzige Angelegenheit

Erholung, das brauche ich heute und meine Freundinnen Juli, Linda, Emilie und Simmi.
Keine Männer, kein Stress, nur Gequatsche, warmes Wasser und Cappuccino.

Ich fahre in das nah gelegene Jugendstilbad, nicht weit entfernt vom Irish Pub, dem AnSibin.
Ein großer Parkplatz liegt direkt davor. Es ist oft schwierig, dort einen Parkplatz zu finden, aber in einer Seitenstraße wird man dann doch meist fündig.

Ich stehe direkt davor: Das große Gebäude erinnert mich an meine Kindheit. Ich muss sechs Jahre alt gewesen sein, als ich hier schwimmen lernte. Es war damals ein großes kaltes Gebäude mit riesig erscheinenden breiten Steintreppen, unheimlichen Tiefen und mit nur einem großen eiskalten Schwimmbecken, in dem wir unsere Bahnen ziehen mussten. Obwohl ich im Urlaub immer eine gute Schwimmerin war und viel Spaß hatte, grauste es mir hier auch nur bei dem Gedanken mit der Badehaube in das große Becken springen zu müssen und mit den anderen Schülern um die Wette zu schwimmen.

Heute hat sich zum Glück Einiges verändert. Heute sieht das Jugendstilbad viel einladender und freundlicher aus. Leif hat einmal gesagt, es wäre das schönste Bad, dass er bisher gesehen hat. Für mich ist es nicht nur ein Bad sondern ein schöner Wellnessbereich.

Ich zahle für 4 Stunden 11 Euro inklusive Spa Bereich aber ohne die Sauna. Ob ich heute in die Sauna gehe überlege ich mir noch. Eigentlich bin ich nicht der Sauna Typ, vielleicht zu verklemmt. Ich kann es nicht ausstehen wenn mich irgendwelche wildfremden Typen anstarren und sich die Sauna füllt sobald eine einigermaßen ansehnliche Frau den Raum betritt. Grässlich.Ich laufe ja auch nicht nackt über die Straße. Eine Sauna nur für Damen ist ok.
Die Mädels kommen erst später, nun kann ich mich entscheiden, ob ich ein paar Bahnen im großen Becken ziehe und an die Luft schwimme, in den beheizten Außenpool oder mich im Spa-Salzwasser-Relaxing-Room erhole. Genau in dieser Reihenfolge! Ich springe in das kühle Becken und ziehe ein paar Bahnen um mein sportliches Gewissen zu beruhigen. Hier hat sich wirklich was getan. Das damals so verhasste Becken hat nun ein romantisches Flair. Der Jugendstilbrunnen ziert das Ende des Beckens und auch das gedimmte warme Licht tut gut.

 

Laufe zu meiner Liege am Rande des Beckens, mein Handy klingelt. Sie kommen alle gemeinsam und so auch alle gemeinsam zu spät. Ich entscheide mich, da nicht viel los ist (ganz anders als am Wochenende!) nun doch für die Sauna. Vielleicht hab ich Glück und kann mich allein oder einfach unter ein paar anderen Frauen entspannen.

 

Hier fährt man mit einem Fahrstuhl bis auf’s Dach des Jugendstilbades! Im oberen Bereich sieht es aus wie in einem Wellnesshotel. Überall kleine Räume, an einer Tür steht „Hamam“, an einer anderen „Arabisches Rhassoul-Bad“ und hier gibt es natürlich auch eine große Auswahl an Saunen:

 

  • Finnische Sauna, 90° C
  • Kräutersauna, 70° C
  • Japanische Rosensauna, 65° C
  • Bio-Saunarium, 60° C
  • Außensauna auf dem Dachgarten, 95° C

 

Ich entscheide mich für die japanische Rosensauna. Niemand hier! Wunderbar, ich kann mich ganz allein entspannen. Ich breite mein Handtuch aus und mache es mir richtig gemütlich. Einfach nur ausruhen. Der Tag war sehr anstrengend und ich will einfach alle schwierigen Themen und Gedanken für eine Weile vergessen. Doch dann geschieht es: Die Tür öffnet sich und zwei Frauen und ein MANN kommen herein. Ich schaue gar nicht richtig hin, rücke ein Stück zur Seite und schließe die Augen. Es funktioniert! Ich kann sie ausblenden und mich einfach entspannen. Nach zehn Minuten geht die Tür wieder auf und sie verlassen den Raum. Erholt öffne ich meine Augen, doch Fehlanzeige: Der Mann ist noch hier! Es kommt noch schlimmer, plötzlich spricht er zu mir: „Daya, bist Du es?“ Seine Stimme ist mir irgendwie bekannt, eigentlich auf eine angenehme Weise, doch durch die dampfige Luft ist er schwer zu erkennen. Es ist Paul. Er hat ein Handtuch locker um die Hüfte gebunden und strahlt mich an. Er sieht super aus. Ich erinnere mich wieder warum ich mich damals in ihn verliebte. Er strahlt eine angenehme Ruhe und mächtige Sicherheit aus und er sieht ein bisschen aus wie Daniel Craig bei der Oscarverleihung 2009, nur ein wenig jünger, Mitte 30.

Und nun? Was soll ich jetzt tun? Weglaufen? Aber wohin? Und wo sind die anderen? Scheinbar werde ich wohl noch eine Weile in dieser unangenehmen Situation ausharren müssen. Er ist nun hier und damals ist er weggelaufen.

Nach dem typischen „Was-macht-der-Job-BlaBla“ ahne ich schon was jetzt kommt: Er fragt mich nach meiner Beziehung und ob ich glücklich wäre. Ich nicke entschieden: „JA, ich bin glücklich. Leif ist ein toller Kerl“. Ich war sehr stolz das nach seiner miesen Abfuhr damals sagen zu können. „Ich bin auch sehr glücklich. Wir wohnen nicht weit von hier auf dem Land, sie ist zu mir gezogen und ich kann mich in keinem Bereich beschweren. Sie ist wahnsinnig toll, wunderhübsch und intelligent“ berichtet er ausgelassen.

 

Wie schön. Er ist glücklich, ich bin es, dann wird es ja nun höchste Zeit die Kurve zu kratzen!

 

Ich will gerade gehen, sage noch „vielleicht begegnet man sich mal“, da hält er mich am Arm: „Können wir noch glücklicher sein? Ich meine, gibt es noch etwas, dass wir beide tun können?“

 

Ich schaue ihn verdutzt an, bin verwirrt und setze mich noch mal auf die Eckbank der Sauna, mein Handtuch fest um mich geschlungen: „Was genau willst Du damit sagen? Ich verstehe nicht so recht?!“.

 

Was will dieser Mann von mir? Er ist glücklich, er scheint eine wahnsinnig tolle Frau an seiner Seite zu haben, ist der Boss eines Großunternehmens und hat ein schnuckeliges Haus inklusive Hund (den ich mir auch sehr wünsche). Was will er mehr? Bin ich nun interessant, da ich glücklich und vergeben bin?

 

Ich sitze ein wenig erstarrt dort herum mit wirren Gedanken und dem dringenden Wunsch zu verschwinden. Genau im Moment als er näher rückt springt die Tür auf, Simmi tritt ein und ruft: „Mensch Daya, hier bist Du! Wir haben Dich überall gesucht! Was machst Du hier?“ Sie schaut Paul verwundert an, dann wieder mich und ich nutze die Gelegenheit und verabschiede mich mit einem „es war schön Dich zu sehen – Satz“ und flüchte.

 

„Was hast Du in der gemischten Sauna gemacht und wer war dieser Typ? Denke Du betrittst gemischte Saunen nicht?! Hier gibt es auch einen extra Damensaunabereich mit finnischer Sauna, 85° C, die ist sicher heißer als dieser Typ! Komm wir trinken mit den Mädels unten einen Latte!“

 

Da war ich nun, verwirrt, geschockt und fasziniert.

 

Wir beschließen nach Kaffee und Tee in die Saunaebene 2 zu fahren und dort gemeinsam und ohne Paul das römisch-irische Dampfbad zu testen. Es ist fantastisch. Anschließend haben wir noch großen Spaß mit eiskalten japanischen Wassergüssen und nehmen uns vor nächste Woche nochmal zu kommen und vielleicht auch das Rhassoul Bad und das Hamam zu testen.

 

Der Tag ist vorüber, das Jugendstilbad ist definitiv ein Ort, an dem man sich wunderbar erholen kann, wäre da nicht Paul, der mich mit seiner Einstellung nun den Abend lang beschäftigt. Ich hätte an der Stelle seiner Freundin stehen können und hätte keine Ahnung was er sich wünscht und dass ich ihm nie genug wäre.

Sind alle Männer wie er? Können Männer oder Menschen im Allgemeinen einfach nicht genug bekommen? Möchten sie, obwohl oder gerade wenn sie alles besitzen und glücklich sind NOCH MEHR haben und kriegen sie den Hals nicht voll? Oder handelt es sich bei ihm um eine Ausnahme?

 

Und was ist mit Leif? Ist er glücklich? Und falls ja, ist er trotzdem auch auf der Suche oder sind diese Männer einfach völlig verschieden? Kann man sie tatsächlich alle einteilen in treu und untreu?

 

Wir werden es sehen. Bis ich es herausgefunden habe teste ich allerdings in den nächsten Wochen mal das Partnerprogramm des Jugendstilbads und werde Leif überraschen:

 

Two Hearts (für 2 Personen)

2 x Tageseintritt Sauna, inkl. Bad und SPA
2 x  Begrüßungscocktail
2 x Aromaöl-Massage Teilkörper (20 Min.)

Paketpreis: 89,- €

http://www.jugendstilbad.de/sauna.html

#daya

Written by Daya